Hier mein umfangreicher Zehnkampfbericht...der wurde ein bisschen zu emotional und lang... ;)
Auf dem Bild sind unsere
Idaho State University Zehnkämpfer nach den 1500m zusammen mit
Mehrkampfcoach Nate (in Schwarz) zu sehen.
Als Vorgeschichte, seit dem letzten Zehnkampf hatte ich leichte
Leistenprobleme, die vom Hoch- und Weitsprung herrührten und sich leider
trotz physiotherapeutischer Behandlung nicht verbessert haben bis zu
den Meisterschaften.
Der erste Tag lief sehr gut. Die 100m mit leichtem Gegenwind in
11,53s waren gut, Weitsprung lief klasse, 6,94m und 6,99m mit ca. 3m/s
Rückenwind und mittelmäßigen Sprüngen, im letzten 7,03m mit 5m
Rückenwind, nem top Sprung (hat sich angefühlt als wäre ich nen halben
Meter höher in der Luft als bei den Sprüngen zuvor) aber ner relativ
schwachen Landung, meine Beine kamen mehr als 20cm zeitiger runter als
mein Pops, wahrscheinlich weil sie nicht an die Weite gewohnt waren, die
machbar gewesen wäre. Zwei Leute sind weiter gesprungen, aber gleich
deutlich mit 7,40m, das war richtiges Flugwetter! Leider sind meine Leistenprobleme beim Weit
schlimmer geworden.
Beim Kugelstoßen habe ich diese aber nicht gemerkt, und konnte meine
gesteigerten Trainingsleistungen im Wettkampf umsetzen! Nach 12,09m im
ersten, 11,83m im zweiten mit etwas unsicheren Stößen, hab ich dann im
letzten einen richtig erwischt und 12,42m rausgehauen, ca. einen Meter
weiter als bei allen Wettkämpfen seit 1,5 Jahren! Das war die drittbeste
Weite von allen Mehrkämpfern.
Beim Hochsprung wurde es dann allerdings problematisch. Die Absprung
und Drehbewegung ist genau das was am meisten wehtut, ich habe es ein
paar Mal versucht abzuspringen, aber es ging einfach nicht. Also habe
ich nach kurzem Überlegen und einer weiteren Ibuprofen auf mein rechtes
Bein umgestellt, und nachdem ich im Einspringen locker über 1,68m
gekommen bin, war ich da ganz zuversichtlich. Über 1,65m ging es dann
mit 3cm Schritten hoch, 1,77m habe ich im dritten,1,80m dann wieder im
ersten übersprungen, und ich muss sagen, die Sprünge sahen gar nicht so
schlecht aus. Bei 1,83m war dann aber Endstation. 1,80m ist mit meinem
anderen Bein aber sehr zufriedenstellend und auch nur 5cm unter meiner
Standardhöhe mit links, 1,85m. Dadurch war ich nach dem Hochsprung immer
noch auf Kurs 7000 Punkte und dank Weitsprung und Kugel deutlich über
meiner Punktzahl vom letzten Zehnkampf.
Der Hochsprung ging noch sehr lang nachdem ich raus war mit 5 Leuten
über 2,01m, einer davon sogar 2,13m!!! In der Zwischenzeit ist der Wind
so heftig geworden, dass die Latte ein paar Mal von alleine
runtergefallen ist. Nach dem letzten Springer ist er aber wieder etwas
abgeflaut, was günstig war für die 400m, die letzten 100m waren nämlich
voll gegen den Wind.
Das 400m Rennen lief gut, nach der Beschleunigungsphase hatte ich
auch keine Schmerzen mehr und konnte normal rennen. Mit 50,48s stand
auch eine Bestleistung zu Buche, allerdings ist so ziemlich jeder
Bestleistung gelaufen, sodass ich in dieser Disziplin nur 8. war. Logan
hat eine 48,29s hingelegt, das war Wahnsinn!
Nach Tag 1 liege ich auf Platz 5 mit 3619 Punkten, knapp hinter
Justin von meiner Uni mit 3661 und vor Logan (7.) mit 3542. Allerdings sind
Platz 1 und 2 schon über 4000. Bei einem der beiden war das zu erwarten,
seine Zehnkampfbestleistung steht bei 7500 Punkten, der andere
allerdings hat diese Saison erst 6500 Punkte angeboten, sodass ich ihn
eigentlich nicht dort vorn erwartet habe. Er hatte aber einen Weltklasse
Tag 1 mit 2,13m im Hochsprung und 7,40m im Weitsprung und insgesamt 5
deutlichen Bestleistungen!
Am zweiten Tag wurde der Wettkampf wurde vorerst um 1,5h verschoben,
seit um 7 morgens hat es 5cm Neuschnee heruntergehauen und bis Mittag nicht aufgehört.
Und dann hoffte ich dass mein Bein/Hüfte durchhält, denn abgesehen
davon bin ich in Top Form und bereit für 7000 Punkte! :)
Der zweite Tag des Zehnkampfes lief wider erwarten ziemlich gut. Meine
Leistenprobleme sind über Nacht leider nicht sprunghaft besser geworden,
sodass ich einige Zeit gebraucht habe um ins Rollen zu kommen. Dann kam
auch noch Schnee dazu, sodass der Wettkampf 1,5h später startete, als
das meiste wieder abgetaut war.
Los ging es mit den 110m Hürden. Nach dem Aufwärmen war mir klar,
wenn ich es gut bis zur ersten Hürde schaffe, ist der Rest kein Problem.
Beschleunigen bereitete mir immer die meisten Probleme. Mit dem nötigen
Adrenalin aus der Startpistole konnte ich meine Devise gut umsetzen und
obwohl etwas langsamer am Start doch mit 15,39s eine ordentliche Zeit
hinlegen, auch meine schnellste in einem Zehnkampf bislang.
Der Diskuswurf lief dann sehr gut, im zweiten Versuch konnte ich mit
35,15m eine neue Bestleistung aufstellen, womit ich sehr zufrieden war,
da auch hier durch die Drehbewegung und Hüftarbeit nicht alles
schmerzfrei verlief, wenn auch wesentlich besser als bei den meisten
anderen Disziplinen.
Der Stabhochsprung war wieder eine Sache für sich, da ich hier
beschleunigen und abspringen musste. Nach genügend Anläufen, bei denen
ich mich an den Schmerz gewöhnen konnte, habe ich es auch geschafft
halbwegs gut abzuspringen und konnte sogar mit 4,40m meine Bestleistung
einstellen. An 4,50m bin ich leider wieder knapp gescheitert.
Beim Speerwurf habe ich dann auf einen verkürzten Anlauf
zurückgegriffen um die Belastung zu vermindern und mit Erfolg: 51,01m
sind Saisonbestleistung.
Nach dem Speerwurf lag ich klasse im Kurs
und mit 6324 Punkten über meiner Zehnkampfbestleistung des letzten
Jahres aus Deutschland.
Mit 4:40min über 1500m hätte ich 7000 Punkte schaffen können, aber
mein Körper wollte nicht. Die Zeit liegt im Bereich meiner Bestleistung,
welche ich allerdings auf Meeresniveau und bei 30°C aufgestellt habe,
während wir durch die Schnee-Zeitverzögerung unseren 1500m Lauf 20.15
begannen, bei ca. 8°C Außentemperatur war es nicht gerade kuschlig auf
1500m Höhe.
Nach 800m habe ich schon deutlich den Höhenunterschied und die Kälte
gespürt und schon deutlich hinter meinem geplanten Durchschnittstempo
zurückgefallen. Ich wollte nur noch ankommen, was ich in einer
miserablen Zeit von 5:04,15min getan habe. Die Enttäuschung über die
verpasste Chance auf 7000 Punkte saß zuerst tief.
Allerdings konnte ich mit Hilfe meiner Teamkameraden und der anderen
Zehnkämpfer sehen, welch Leistung ich trotz all der Schmerzen über beide
Tage erbringen konnte.
Mit 6860 Punkten konnte ich sogar eine
neue Bestleistung aufstellen, wenn auch nicht so großartig klingend wie
7000 Punkte, bin ich doch mit Zehnkampf sehr zufrieden, in dem ich auch
vier neue Einzelbestmarken verbuchen konnte.
Die Punktzahl reichte im Endeffekt zu Platz 4 bei den Conference
Meisterschaften, direkt vor Teamkollegen Logan mit 6828 und Justin mit
6696 Punkten. Der Sieg ging an einen Mehrkämpfer der Montana State
University, der mit 7630 Punkten das Ticket zu den US Meisterschaften
sicher gelöst hat.
Hier der Link zu den kompletten Ergebnissen aller Mehrkämpfer:
Results
Die beiden Tage nach dem Zehnkampf stehen noch Einzeldisziplinen bei
den Meisterschaften an. Freitag habe ich mich nocheinmal im Speerwurf
versucht und bin mit 49,75m 11. geworden, meine Weite vom Vortag hätte
mich ins Finale gebracht. Danach wollte ich noch einmal im
Stabhochsprung angreifen und habe es auch geschafft die Anfangshöhe der
Stabhochsprungkonkurrenz, gleichwertig mit meiner Bestleistung von
4,40m, im dritten Versuch zu meistern. Danach war aber wieder einmal
Schluss. Eine erneute Steigerung des Kreisrekordes muss mal noch ein
bisschen auf sich warten lassen, da ich nun erstmal meine
Leistenprobleme auskurieren werde.
Der offizielle Teil meines USA Jahres ist jetzt zu Ende, allerdings werde ich die mir verbleibende Zeit bis
Mitte Juni nutzen um Land und Leute noch besser kennenzulernen und
insbesondere viele (Natur-) Sehenswürdigkeiten im weiten Westen der USA
zu bestaunen, also bleibt dran!